Alle Wege führen nach Rom – aber wie kommt man von dort auch wieder weg? Die Abzocke. Teil 2

Nach einer kleinen Ruhepause im Hotel fahre ich mit einem Gratis Bus Shuttle (guter Service 🙂 ins Zentrum des abendlichen Geschehens: zur Fontana di Trevi. Ein Eisbär-Gehege in einem großen Zoo sieht auch nicht anders aus. Okay, …die großen steinernen Statuen (wohlgeformte Körper in anmutigen Posen im Hintergrund) sind schon etwas Besonderes. Dem Eisbär warat’s wurscht. So wie die Menschenmassen davor. Und die vielen Münzen, die ins Wasser geworfen werden. Alljährlich fischt die Stadt Rom angeblich Metall im Wert von 1,4 Millionen Euro aus dem Brunnen. (Sich selbst zu bedienen ist übrigens strengstens verboten!!). Eisbär gibt es jedenfalls keinen – dem wäre es ohnehin zu warm hier.

Ich setze mich an meinem ersten Rom-Abend Ende Dezember lieber ein wenig abseits vom Geschehen in ein Restaurant in einer unscheinbaren Nebengasse. An der Frischluft verzehre ich das beste Saltimbocca meines Lebens: hauchdünn, in Begleitung eines Gedichts von Sauce mit Salbei und Schinken, dazu gedämpfter Chichoree-Spinat. Das kann schon was. Ich bin glücklich, dass ich ein typisches – und äußerst gutes – Lokal gefunden habe. Meine Intuition leitet mich da oft richtig.

Als ich die Rechnung verlange, gibt es ein Problem mit der Kartenzahlung. Ich habe mich vorab natürlich erkundigt: „si, si, certo, Karte nehmen wir.“ Nun? Wo ist der nächste Geldautomat? „Kein Problem, geht schon, nur ein paar Minuten Signorina…“ Ich bestelle einen, nein eine (!) Grappa, zur Verkürzung der Wartezeit und Ankurbelung der Verdauung. Nach etwa 15 Minuten kommt der Kellner, die elektronische Zahlung funktioniert wieder. Der/die Grappa geht leider nicht auf’s Haus wie erhofft und schlägt mit weiteren 6.- Euro zu Buche. Saftig. Ich frage mich, ob diese Wartezeit beabsichtlgt war…

Den Heimweg trete ich zu Fuß an, ein nächtlicher Spaziergang über einen Hügel tut gut. Es ist noch immer lauschig warm (für Ende Dezember). Am nächsten Morgen packe ich meine Siebensachen und frühstücke lieber gleich im Hotel: ein Cappucino und ein Cornetto – das gibt es sogar gratis. Ich habe beschlossen, eine Sightseeing Tour im Doppeldecker Bus zu machen und dann den Menschenmassen zu entweichen und ans Meer zu fahren. Dort habe ich zwei Nächte in einem Airbbnb Appartement gebucht, mit Meerblick -Terrasse.

Die Bus-Tour ist interessant und informativ (ich mache das in jeder Stadt gern, um mir einen Überblick zu verschaffen). Hier gibt es neben den zahlreichen Prunkbauten, Kathedralen und Kirchen noch so viele alte Steinhaufen – Mauerreste, Säulen, Plätze, Theater und Aquädukte,… dass ich mich schlicht überfordert fühle. Am Ufer des Tiber steige ich aus und gönne mir eine Pause.

Ich überquere eine kleine Brücke. Diese führt zur Engelsburg, einem imposanten Gebäude, das auf den römischen Kaiser Hadrian zurückgeht und im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde. Mit den beiderseits seitlich aufgestellten Statuen erinnert mich die Brücke ein wenig an die Karlsbrücke in Prag. Dort gibt es allerdings keine „Legionäre“. (Ein Mann in Römischer Kampfkleidung, inklusive Helm treibt sich drauf herum… Instagram Fotomodell?).

Daneben wieder das Übliche: schwarze Menschen, die rotierende Spielzeugautos, Monster, Taschen, Ketten und Sonnenbrillen zum Verkauf anbieten, natürlich mit dazugehöriger elektronischer Geräuschkulisse. Aus einem Kiosk am anderen Ufer dröhnen lautstark Abba Hits. Sie verschmelzen unelegant mit den Elektronik-Spielzeug-Sounds und einem sehr penetranten Dudelsack, der selbstbewußt vor der Burg positioniert seinerzeit wahrscheinlich die schlimmsten Feinde zu verjagen imstande gewesen wäre. Im Hintergrund erhebt sich mächtig der Petersdom. Schon schön, doch dieser Akustikmüll ist eine echte Zumutung!! (Wo ist bitte ist hier die „Mute“ Taste??) Schließlich finde ich Zuflucht und ein wenig Ruhe in einem kleinen Park an der Burg-Hinterseite, wo ich mich über strahlend blauen Himmel, saftig grüne Pinien und spielende Kinderstimmen freuen kann.

Am Rückweg entdecke ich einen frischen Legionär auf der Brücke Dieser trägt knall-orangene Sneaker. Bitte das geht gar nicht! Aber auf den Fotos ist das wahrscheinlich eh nicht zu sehen. (Auf Instagram sind die Menschen ohnehin immer beschnitten.)

Dann spaziere ich in Richtung Piazza Navona und tauche (endlich) in ein für mich authentisches, sehr charmantes Rom ein, mit Antiquitäten-Läden, Osterias und schlichten Pasta-Lokalen. Ich finde eine Bar, wo ich für ein riesiges, leckeres Tramezzino mit Gamberetti & Rucola nur Eur 2,50 zahle. Natürlich einen Cappucino (um Eur 1,50.-) dazu. Oh yeah. La Vita e bella. Das Leben ist schön. Man muß nur wissen wo.