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	<title>renatereich &#8211; Renate Reich</title>
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	<description>Musik &#124; Malerei &#124; Gesangsunterricht</description>
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		<title>Kanadisch Reisen &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://renatereich.at/kanadisch-reisen-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jan 2024 23:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Reise nach Halifax Diese Reise hätte beinahe nicht stattgefunden. Um ein Haar hätte ich nämlich den Flughafen gar nicht erreicht. Um 4:30 ist es in Wien noch stockdunkel und ich sitze verschlafen in einem Taxi. Kurz vor dem Ziel nähert sich mein Fahrzeug verdächtig schnell dem Pannenstreifen und in weiterer Folge der Leitplanke. Geistesgegenwärtig rufe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Reise nach Halifax</b></p>
<p>Diese Reise hätte beinahe nicht stattgefunden. Um ein Haar hätte ich nämlich den Flughafen gar nicht erreicht. Um 4:30 ist es in Wien noch stockdunkel und ich sitze verschlafen in einem Taxi. Kurz vor dem Ziel nähert sich mein Fahrzeug verdächtig schnell dem Pannenstreifen und in weiterer Folge der Leitplanke. Geistesgegenwärtig rufe ich laut: „Hallloooooo!!! Schlafen Sie?“ Der Fahrer lenkt abrupt wieder in Richtung Mitte &#8211; „Äääh, nein, alles gut! Ich schlafe nicht.“ Ja, jetzt nimmer. Oida! Ich bin auch nicht ausgeschlafen, aber ich lenke kein Fahrzeug. Ich gebe mein Gepäck auf, lasse den security check über mich ergehen und erhole mich bei einem Kaffee und Croissant von meinem morgendlichen Schock. Wenigstens bin ich jetzt putzmunter.</p>
<p>Ich bin auf dem Weg zur Prince Edward Insel (PEI), ganz oben rechts auf der Kanadischen Landkarte. Es ist kurz nach Weihnachten und außer mir fährt wohl niemand mitten im Winter dort hin. Ist ja auch nicht gerade um&#8217;s Eck: ich brauche drei Flüge, eine fünfstündige Bus- und eine dreiviertel-stündige Autofahrt (die 30 Minuten Taxi zum Flughafen in Wien lasse ich mal außen vor). Ich werde dort eine Freundin besuchen. Ob das eine gute Idee ist &#8211; jetzt? Man wird sehen.</p>
<p>Der erste Flug nach Frankfurt ist keine große Sache, den riesigen Flughafen zu durchqueren und den Anschlußflug zu finden allerdings schon. Es ist zeitlich relativ eng (ich habe keine langen Lay-Over gebucht, weil das nervt), aber als ich an einer Wechselstube vorbeikomme, möchte ich mir unbedingt ein paar Kanada Dollars holen, denn in Wien waren kurzfristig keine aufzutreiben.<br />
Just in case, falls das blöde Plastikgeld nicht funktioniert (das hatte ich ja schon mal in Schweden). „Ich möchte bitte 50.- Euro in CanD tauschen“. Die Dame am Schalter war gewieft: „Das ist eine schlechte Idee, jedesmal, wenn Sie wieder einwechseln, kostet das Gebühr, also tauschen Sie besser jetzt gleich mehr um!“ „Na gut, dann bitte 100.- Euro“; Replik: „Ja, ich muß auf eine vernünftige Summe in CanD kommen, wie lange bleiben Sie dort? Aha&#8230; tipp tipp.. rechnet, rechnet&#8230; okay, perfekt, ich habe Can D 150.- für Sie!“ Mein Hirn befindet sich im totalen Streßmodus, weil ich muß ja den Flug nach Montreal erreichen. Fazit: ich mache den schlechtesten Deal meines Lebens und bekomme für 140.- Euro ganze 150.- CanD. Verlust: min Eur 40.- Wenn man/frau sich in den Hintern beißen könnte &#8211; hier wäre es angebracht. Aber das checke ich erst viel später.</p>
<p>Pünktliche Landung in Montreal (auf französisch ohne „T“, sehr sexy!) nach einem angenehm ruhigen Flug und ich mache meinen ersten Spaziergang in der „Neuen Welt“. Der Flughafen ist hübsch und modern, ich komme an einem Lokal mit Kaminfeuer vorbei, sehr gemütlich! So stelle ich mir Kanada vor: Fireplaces und Holzfällerhemden (gibt es hier auch zu kaufen), Tonic Water und Gin on Ice. Ein paar Bären vielleicht&#8230; in der Ferne. Wie gerne würde ich mir die Stadt anschauen, doch ich muß gleich weiter. Noch ein Flug nach Halifax. Dort werde ich mich mal ausruhen und zwei Nächte bleiben, bevor ich weiter auf die Insel fahre. Beim Gate lasse ich mich erschöpft auf einer gemütlichen Couch nieder, die zu einem Lokal gehört. Füße hoch, herrlich &#8211; aber ich traue mich nichts zu bestellen, denn das Boarding beginnt in Kürze. Die Kellnerin gibt mir aber bald zu verstehen, dass das so nicht geht. Wenn der Chef kommt&#8230; und ich sitze da und habe nix zu trinken?! Sie bietet mir gratis ein Glas Eiswasser an der Bar an. Das ist nett. „Happy New Year!!“ Wie bitte ?! Es ist der 27. Dezember. Bei uns gibt es diesen freundlichen Wunsch erst nach Silvester.</p>
<p>In Halifax holt mich ein vorbestelltes Taxi ab und bringt mich zu meiner kleinen Frühstückspension. Es ist ein recht langer Weg, etwa 40 Minuten. Es ist immer noch hell. Ich bin schon stundenlang unterwegs und schon etwas müde, doch aufgeregt. Die Landschaft ist wunderschön, viele kleine Seen, Flüsse, Wälder, Felsen. Ich sauge alles in mir auf und als wir die Stadt erreichen, bin ich begeistert von der Architektur, die vielen einzelnen bunten Häuser mit ihren Veranden und verschnörkelten Holzverzierungen. Keine Weihnachtslichterorgien&#8230; oder? Doch. Viel mal mehr und manchmal weniger. Aber hübsch. Meine Pension ist schnuckelig, ein Gebäude im viktorianischen Stil mit steiler Stiege (gut dass ich einen schweren Koffer habe&#8230; grrr&#8230;). Das Interieur bietet viel für&#8217;s Auge, einen riesigen Weihnachtsbaum im Frühstückraum und viel Deko &#8211; irgendwo zwischen Kult und Kitsch schwankend. Die Betreiber sind Inder (oder so ähnlich?). Es gibt viele Farbige hier, fällt mir gleich mal auf. Und die Autos schauen komisch aus. Ich brauche ein klein bißchen, bis ich draufkomme, was es ist: sie haben alle vorne keine Nummerntafel. Und die Ampeln haben teilweise vier Lichter!! Da bin ich aber mal gespannt, was neben rot, gelb und grün wohl kommt&#8230;? Aha, ein Blinklicht (grüner Blinkkpfeil &#8211; schade, blau hätte sich angeboten).</p>
<p>Ich mache mich auf den Weg, um ein Lokal zu suchen, denn ich bin sehr hungrig. Um 17:30 dämmert es bereits. Die beste Zeit um essen zu gehen, denn meisten Lokale schließen nämlich um 19:00, wie ich kurz darauf erfahre. ? Andere Länder, andere Sitten. Naja, Glück gehabt. Ich bestelle Linguine mit Meeresfrüchten &#8211; gute Wahl! Ich bekomme die besten Jakobsmuscheln meines Lebens (scallops, mhhhh!!!) telefoniere mit meinem Mann zu Hause und bin sehr glücklich. Angekommen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Irisch Reisen 3 &#8211; Das exclusive irische Buswesen</title>
		<link>https://renatereich.at/irisch-reisen-3-das-exclusive-irische-buswesen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Dec 2023 22:22:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir haben den Westen hinter uns gelassen und gönnen uns nun ein paar Tag in Dublin. Ein Ausflug auf die Halbinsel Howth wurde uns ans Herz gelegt, ein Naturparadies zum Küstenwandern, nur 30 Minuten von der Stadt entfernt, bequem mit Bahn oder Bus zu erreichen. So die Theorie. In der Praxis ist heute aber Bank [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Wir haben den Westen hinter uns gelassen und gönnen uns nun ein paar Tag in Dublin. Ein Ausflug auf die Halbinsel Howth wurde uns ans Herz gelegt, ein Naturparadies zum Küstenwandern, nur 30 Minuten von der Stadt entfernt, bequem mit Bahn oder Bus zu erreichen. So die Theorie. In der Praxis ist heute aber Bank Holiday, der 30. Oktober, ein Feiertag! (Welcher Mensch aus Österreich weiß DAS denn?) Das erweist sich jedenfalls als äußerst ungünstig. Wären wir die Einzigen mit dieser großartigen Idee, just an diesem Tag einen Cliff-Spaziergang zu machen, würde es überhaupt kein Problem geben. Und wären die Züge aufgrund von Gleis-Reparaturarbeiten nicht außer Betrieb, dann schon gar nicht. Doch von all dem haben wir (noch) keine Ahnung. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Meine Reise-App empfiehlt uns eine Busroute mit einmaligem Umsteigen. Teil 1 geht aalglatt und problemlos. Teil 2 gestaltet sich etwas schuppiger: Bus 2 erscheint einfach nicht zur angekündigten Zeit. Wir nehmen das mal so hin (what else?) und harren in freudiger Erwartung auf den nächsten seiner Art aus, der in 20 Minuten kommen soll. Auch das erweist sich als unerfülltes Wunschdenken. Einige Busse sind bereits vorbeigefahren ohne uns eines Blickes geschweige denn eines Anhaltens zu würdigen. Endlich hält einer an unserer Station an: HOWTH ist in riesigen Lettern an der Front zu lesen und ein innerliches Jubeln stellt sich ein. Jemand steigt in der Mitte aus, die vordere Bustüre (wo man normalerweise einsteigt) bleibt aber beharrlich geschlossen. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Ich laufe in voller Geistesgegenwart zur mittleren Türe und dringe in das Fahrzeuginnere ein. Ich finde gemütlich Platz in der lockeren Menschentraube, also bitte, Stoßzeit in Wien ist anders! Die Busfahrerin fährt aber einfach nicht ab. Inzwischen hat sie die vordere Türe geöffnet. Unbekümmert steigt mein Mann ein, doch sie protestiert lautstark: „Get off, immidiately!“ Und zu mir sehr barsch: „That is not the way to get on the bus!“ Dann ruft sie lautstark den draußen Wartenden zu: „Were they first??“ Es scheint allgemeine Zustimmung zu geben, jedenfalls gibt es keine Gegenstimmen. Nun wird es uns ein wenig peinlich. Oh!?! Wir haben uns scheinbar irgendwie daneben benommen&#8230;?<br />
„Wir sind nicht von hier, wir wissen das nicht, und überhaupt bitte, wir warten da schon eine ganze Stunde lang&#8230;!!!“ protestieren wir. Sie kontert: „Da gibt es mehrere Leute, die schon lange warten, denn die Züge fahren heute den ganzen Tag nicht und dieser Bus ist schon voll.“ VOLL? Ich sehe ein Schild über ihr: Maximum Capacity 65. LOL. Was soll das denn? Da passen mindestens doppelt so viele Menschen rein. Da soll sie mal in Wien fahren mit dem Bus, oder in der U-Bahn in Tokio! Da gibt es sogar weiß behandschuhte „Menschenreinstopfer“. Lächerlich.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Irgendwie erregen wir aber doch ihr Mitleid und sie nimmt uns in die Fahrgemeinschaft auf. Sie verkauft uns sogar zwei Tickets. Wir kurven noch relativ lange und scheinbar nicht auf direktem Weg zu unserem Ziel. Bergauf, bergab, vorbei an zahlreichen Stationen mit winkenden Menschen, an denen sie eiskalt vorbeifährt. Damit bloß nicht wieder jemand den Bus entert, so wie wir vorhin. Nur wenn jemand aussteigen will, fährt sie ein wenig über die Station hinaus und entläßt den Fahrgast abseits der eigentlichen Haltestelle ins Freie. Manchmal dürfen auch Leute einsteigen. Aber nur soviele, wie gerade ausgestiegen sind. Sehr streng sind die hier. Die Iren. Völlig. Draußen hat es zu nieseln begonnen. Ein gewisses Gefühl der Dankbarkeit stellt sich ein. Jetzt hier im Warmen dabei sein zu dürfen und nicht im Regen stehen gelassen worden sein. Dürfen? Wir mußten uns das erkämpfen. Es fühlt sich eigenartig an. Ich komme mir vor, als würde ich auf dem Kontinent Europa stehend durch Afrika fahren oder so ähnlich. In einem Glaskobel, gut geschützt vor dem unangenehmen Draußen. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Endlich in Howth angekommen, vergewissern wir uns zunächst am Bahnhof, ob wirklich keine Züge fahren (leider nein) und spazieren entlang des Hafens an zahlreichen Fischrestaurants vorbei zu den Cliffs. Immer nur schön der Menge folgen&#8230; dann findet man den Weg. Die Leute faseln, quatschen, lärmen und fotographieren permanent und sind einfach nur nervig. Für unseren Mittagslunch klettern wir ein wenig nach oben, wo wir inmitten von Felsen und Heidekraut wenigstens ein bißchen vom Naturerlebnis erahnen können&#8230; Meer, Himmel, Klippen, Felsen, Möwen, Brandung,&#8230; bei schönem Wetter und ohne die vielen Menschen&#8230; Naja, man kann es sich nicht aussuchen. Wenigstens schüttet und stürmt es gerade nicht.</span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Wir absolvieren den mittellangen Rundwanderweg, wärmen uns in einem Pub zuerst mit Tee, dann mit einem Glas Bier ein wenig auf und machen uns auf den Heimweg. Es ist jetzt wirklich sehr kühl, grau und naß geworden. Nun: die Rückfahrt gestaltet sich noch um Einiges komplizierter. Allein der Versuch scheitert zunächst kläglich: wegen des miserablen Wetters wollen viele Menschen jetzt um 15:30 schon wieder zurück in die Stadt. Diesmal werden wir wiederholt stehen gelassen. Der erste Bus nimmt etwa fünf Personen mit, die anderen halten erst gar nicht an. Dass man sich auch an einer Bus-haltestelle brav anstellen muss, wissen wir jetzt. Winken, wenn man mitfahren möchte und unbedingt (und ausschließlich) ganz vorne einsteigen! Wieso jeder Bus schon so voll ist? Wir dachten das sei die Endstelle&#8230; Wohl nicht. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Mein Mann bekommt die Krise. Es regnet, es ist kalt, die Schule tun ihm weh. Oder die Füße. Wegen der Schuhe. Er ist grantig ohne Ende. Mich nervt es auch, aber ich bin ein wenig situationselastischer: vielleicht liegt es nur daran, dass mir die Schuhe passen und die Füße nicht weh tun. Wir versuchen, ein Taxi zu bekommen. Doch auch das stellt sich als undurchführbar heraus. Erst kommen einige vorbei, die aber leider alle besetzt sind, und dann&#8230; kommt gar keines mehr. Ich konsultiere geistesgegenwärtig meine UBER App: für diese Strecke berechnen sie Eur 120.- Was sagt man in so einer Situation als Wiener:in? OIDA!! </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Ich schlage angesichts der prekären Lage vor, etwas essen zu gehen und es später noch mal mit dem Bus zu versuchen. Ich spekuliere mit dem Szenario: wenn es dunkel ist, sind alle sicher schon weg. Unsere Laune ist im tiefsten Keller, na Mahlzeit! Doch die Strategie geht auf: wir haben nun um teures Geld ein Essen und ein paar Drinks im Bauch. Ist doch eine bessere Investition als Taxifahren.</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Irisch Reisen 2 &#8211; Der gemeine Touristenbus</title>
		<link>https://renatereich.at/irisch-reisen-kapitel-2-der-gemeine-touristenbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Nov 2023 01:17:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser erster Irland-Tag beginnt mit einem geführten Stadt-Spaziergang, wo wir Einiges über die Geschichte dieser Insel erfahren und staunen, wie viel wir nicht wussten &#8211;  z.B. über die ständigen Kolonialisierungsbemühungen der Briten, die leider ebenso erfolgreich (für die Engländer) wie blutig (hpts. für die Iren) waren. Mitte des 17 Jh. wurde der irische Adel enteignet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Unser erster Irland-Tag beginnt mit einem geführten Stadt-Spaziergang, wo wir Einiges über die Geschichte dieser Insel erfahren und staunen, wie viel wir nicht wussten &#8211;  z.B. über die ständigen Kolonialisierungsbemühungen der Briten, die leider ebenso erfolgreich (für die Engländer) wie blutig (hpts. für die Iren) waren. Mitte des 17 Jh. wurde der irische Adel enteignet und das Land unter Oliver Cromwells Gefolgschaft aufgeteilt. Es folgten endlose Bürgerkriege zwischen Katholiken und Protestanten &#8211; einer der Gründe für mehrere Massen-Auswanderungswellen, jahrelange Hungersnöte ein anderer: Mitte des 19 Jh. fiel die gesamte Kartoffelernte wegen eines Schädlings aus und die regierenden Briten rückten nichts von den guten Sachen raus, die sie auf ihrer eigenen Insel gehortet hatten.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Oder über die Irisch-Gälische Sprache. So wie der Katholizismus lange Zeit von den britischen Herren unterdrückt, wurde sie in jüngerer Vergangenheit erfolgreich wiederbelebt. Heute gibt es alle offiziellen Auf- und Inschriften sowie alle Durchsagen zuerst auf Gälisch, und dann erst in englischer Sprache. Die Schrift ist dekorativ und hält brav her für alles, was in Zusammenhang mit „Keltischer Kultur“ gebracht werden kann. Akustisch eignet sich diese seltsame Sprache hervorragend für Sätze, die man als Filmregisseur einem Klingonenvolk in den Mund legen würde. Das ist gar nicht böse gemeint. Es klingt für mich einfach völlig außerirdisch.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Und dann: „Oskar Wilde“. Diesen Namen haben wir alle schon mal gehört. Doch dass der äußerst sensible und feinsinnige Schriftsteller und Ästhet (DER Inbegriff eines Dandys) mehrere Jahre wegen „unsittlichen“ Verhaltens bei Zwangsarbeit in einem Gefängnis verbringen mußte (deren Folgen ihn letztendlich umbrachten) war mir neu. Homosexualität war also auch etwas, das in diesem Land lange Zeit unterdrückt und bestraft wurde. Durchaus ein weiterer Auswanderungsgrund für Manche. In unserer Herberge recherchieren wir anschließend im internet und vertiefen unser Wissen über diverse Irland-Themen. Dieser Stadt-Spaziergang hat viele Fragen aufgeworfen. Wir finden das gut und äußerst interessant.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Nachdem wir uns also ein bisschen „irisch eingegroovt“ haben (inklusive mehrerer Pub-Besuche natürlich) planen wir für den nächsten Tag einen Ausflug zu den „Cliffs of Moher“. Ein absolutes Must See! Empfehlung von Freunden und überhaupt allen. Eine Touristentour im Bus bietet sich an. „Ja, warum nicht?“, denken wir. „Um 50 € pro Person einen ganzen Tag lang herumgeführt werden und Interessantes sehen und erfahren“, denken wir, „in eine original irische Landschaft mit viel Grün (plus Schafe), Grau (Stein, Karst, Klippen, Ruinen) und Blau (Meer)! Und mit Mittagessen! Toll!“, denken wir. Großer Fehler.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Wir sind brav früh auf und stapfen zum vereinbarten Treffpunkt. Als wir hinkommen, ist der Bus bereits knallvoll. Erstaunlich, dass auch jetzt, Ende Oktober noch so viele Gäste da sind. Wir verstauen uns, ich halte mich an meinem Cappuccino fest und schon geht es los. Unser Busfahrer stellt sich als John B. vor und schafft es wirklich, die nächsten 45 Minuten durchgehend zu quasseln, ohne kaum einmal Luft zu holen. Ich kriege die Krise &#8211; geht das heute den ganzen Tag lang so? Bis 17:30 Uhr ist es noch weit hin&#8230; Es ist ja nicht uninteressant, was der Typ sagt, aber er wiederholt sich. Vieles könnte man auch weglassen. Meine Diagnose: notorischer Rededurchfall. Ich habe leider keine Kopfhörer mit. Großer Fehler No2. </span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Erster Halt: Foto Stop bei einem Castle. 50 Leute quellen aus dem Bus und strömen im Laufschritt zu dem Ding (oder was davon noch übrig ist). Das macht sogleich ein Fotografieren unmöglich, da alles voll ist mit farbenfroh gekleideten Leuten. Wer will die denn auf einem Bild mit nach Hause nehmen? Beim Aufstehen verschütte ich versehentlich den Rest meines Cappuccinos, der sich sogleich fröhlich in Richtung Vordersitz ausbreitet und erfolgreich einen am Boden stehenden Rucksack anpeilt. Da läßt sich nur mehr wenig tun. (Zum Glück ist es nicht meiner). Ich bin jedenfalls die Letzte, die dem Bus entsteigt. Das ist gut so. Ich warte, bis sich alle am Fotografieren und Umrunden des Turmes abgearbeitet haben und mache dann auch ein zwei nette Bilder. Als Erinnerung.<br />
</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Bald schon geht es weiter. Der Knabe John B. plaudert wieder munter dahin, offensichtlich liebt er es, sich reden zu hören. Als definitiven Beweis seiner Existenz, wahrscheinlich. Im Sinne von: „Ich rede, also bin ich.“ Wir versuchen den Lautsprecher über unserem Sitz auszuschalten. Geht, aber hat kaum einen Effekt. Es dröhnt von rundum zu uns. Obwohl er auch wissenswerte Sachen erzählt, schalten meine Ohren ob der Dauer-Befaselung auf „Aus“. Hin und wieder schnappe ich einen Fetzen auf. Hauptsächlich versuche ich, wegzuhören und die Landschaft zu genießen. Ich muss mir unbedingt Kopfhörer besorgen. Oder nie wieder auf so einer Tour mitfahren.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Den zweiten Programmpunkt &#8211; eine Höhlenbesichtigung &#8211; lassen wir aus. Ich mag keine Höhlen. Zumindest mag ich nicht drinnen sein. Leider beschränkt sich das Alternativ- Programm auf einen 30 Minuten langen Spaziergang auf einem Parkplatz mit ein wenig Umgebung, leider nur sehr wenig. Immerhin scheint die Sonne. Das Höhlen-Cafe hat auch nicht viel zu bieten: Kaffee, Tee, Säfte, Wasser und lautstarke Abba-Hits. Ein Bierchen wäre uns lieber gewesen, das dämpft bekanntlich die Sinne. Hätten wir gut gebrauchen können. Wir spazieren durch den Souvenirshop und bestaunen Schafe in allen Variationen: als Kuscheltiere, Standfiguren, Polster, Rucksäcke, Taschen, Schlüsselanhänger, Socken, Flaschenöffner, Häferl, Postkarten u.v.m. und erwarten sehnsüchtig die Rückkehr der Höhlenmenschen.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Als wir schließlich bei den berühmten Cliffs ankommen, merken wir schnell, dass wir auch hier nicht ganz alleine sind <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Die Ladung unseres Busses ist im Vergleich zum allgemeinen Besucheraufkommen sogar relativ klein. Was soll’s. Wir wussten, dass dies kein Geheimtipp ist, also starten wir bestens motiviert los zu unserem Klippen-Spaziergang. Wenigstens redet da keiner auf uns ein. Nach links oder nach rechts gehen? Das muß man unbedingt schon vorher entscheiden! Die Vor- und-/oder Nachteile hat uns unser Bus-Chauffeur vorab schon ausführlich erläutert, leider waren meine Ohren aber ausgeschaltet. Wir gehen spontan nach links. </span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Es fühlt sich in etwa so an, wie ein Gang von der S-Bahn zur U3 in Wien Mitte, nur ist hier die Aussicht schöner, die Luft frischer, der Pfad wesentlich enger und ziemlich „gatschig“. Menschenmassenmäßig equal. Links und rechts sind Absperrungen aus Stein errichtet, damit auf der einen Seite die Menschen nicht ins Meer fallen und auf der anderen die Kühe nicht auf die Menschen losgehen können. Die Cliffs sind trotzdem sehenswert und ja, man kann das schon so sagen: sie sind atemberaubend. Allerdings wäre es wahrscheinlich besser gewesen, sich den steil aus dem Meer aufragenden Klippen auf einer Wanderung durch die Landschaft von unten zu nähern, aber das erfahren wir erst später. Als nach 1,5 Stunden brav wieder alle eingesammelt sind, freuen wir uns schon sehr auf den nächsten Programmpunkt: Mittagessen.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Unser erstes Irish Stew! Eine Portion &#8211; geteilt natürlich, sonst quasi unleistbar. Naja, reicht ja für uns beide. Das Lokal ist erstaunlich geschmackvoll eingerichtet und bietet sogar speziell vor Ort gebraute Biersorten an. Die Bedienung ist nett und man sitzt an kleinen Tischen, also keinerlei Massenabspeisung. Fein. Freude!! Essen und Bier sind wundervoll, Musik ist entweder nicht vorhanden oder so geschmackvoll und dezent, dass es angenehm ist, sich zu unterhalten. 10 OF 10 POINTS.</span></span></p>
<p>Nach dem Mittagessen „droht“ unser Fahrer mehrmals damit, nur mehr kommentarlos Musik zu spielen. Huch! Meine Vorfreude steigert sich. Er redet aber meistens trotzdem. (Im Sinne von: ich rede, also fahre ich&#8230; dann kann ich auch nicht so leicht einschlafen!) Als die „nackte“ Musik schlussendlich auf unsere Trommelfelle trifft, schalten wir instinktiv auf Gegenwehr und denken sofort über akustische Grenzkontrollmaßnahmen für unseren Gehörgang nach: nervöses Flötengedudel trifft auf hektisches Dudelsackgepfeife &#8211; im Abgang bisweilen gewürzt mit einem hübsch gesungenen, sehr traurig klingenden Lied. Prost! Wo sind bitte die Noise Off-Ohrstöpsel???</p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">Ich konzentriere mich auf die vorbeiziehende Landschaft. Die ist wirklich sehr schön. Überall grüne Hügel, mit weißen, schafförmigen Punkten. Und viel Wasser &#8211; im Landesinneren überflutete Feucht-Gebiete, an der Küste viel Stein in interessanten Faltungen und Verwerfungen: Karst. Dahinter gleich das Meer &#8211; mit einer mächtigen Brandung! Wir folgen der Küste, wieder in Richtung Galway. Mit einem Mietauto wäre es hier traumhaft schön, die Gegend zu erkunden. Leider fahren die Iren auf der falschen Seite. Das macht es ein wenig mühsam, darum haben wir davon Abstand genommen.</span></span></p>
<p><span style="color: #00000a;"><span style="font-size: medium;">@ Überflutet: einmal noch ergießt sich der gesamte Bus-Inhalt über ein paar karstige Felsformationen an einem Strand, an dem wir nun halten: sehr malerisch, sogar mit einem knallbunt schillernden, mächtigen Regenbogen vor einem grau-schwarzen Himmel ! Man kann von einem zum nächsten Stein hüpfen und tolle Fotos machen. Aber erst, wenn alle wieder im Bus sitzen. Oder ganz knapp davor.</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Irisch Reisen (oder das Kreuz mit dem Personen-Transport) 1</title>
		<link>https://renatereich.at/irisch-reisen-oder-das-kreuz-mit-dem-public-transport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2023 21:52:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Prolog Einmal einen Urlaub ohne (teures) Mietauto machen und ein Land mit den Öffis bereisen &#8211; das war die Idee. Mein Mann und ich fanden das prinzipiell gut. Nur die Rechnung haben wir ohne den Wirt gemacht. In der Praxis bekommen es Irland- Reisende mit diversen Widrigkeiten zu tun, die &#8211; zumindest für uns Österreicher [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><u>Prolog</u></p>
<p>Einmal einen Urlaub ohne (teures) Mietauto machen und ein Land mit den Öffis bereisen &#8211; das war die Idee. Mein Mann und ich fanden das prinzipiell gut. Nur die Rechnung haben wir ohne den Wirt gemacht. In der Praxis bekommen es Irland- Reisende mit diversen Widrigkeiten zu tun, die &#8211; zumindest für uns Österreicher &#8211; durchaus überraschend sind.</p>
<p><u>Kapitel 1: Der Zug</u></p>
<p>Frisch vom Kontinent eingeflogen, wollen wir die ersten Nächte lieber im Westen des Landes verbringen, wo an Wochenenden die Übernachtungspreise erschwinglicher sind als in der Metropole Dublin. Dafür nehmen wir einen Zug. Haben wir daheim recherchiert. Der Intercity Dublin &#8211; Galway fährt alle zwei Stunden. Naja, nicht gerade ein berauschend dichtes Intervall, aber es geht sich gut aus. In 1,5 Stunden sollte es locker zu schaffen sein, die 15 km vom Flughafen zum Bahnhof mit dem Bus zurückzulegen. Dachten wir. Nicht so in Dublin. Unser Bus zuckelt im dichten Stadtverkehr träge dahin und hat gegen Ende seiner Strecke auch noch gefühlt alle 100m eine Haltestelle.</p>
<p>Etwa eine Minute vor der geplanten Abfahrt unseres Zuges (13:35) fahren wir endlich beim Bahnhof vor &#8211; schaffen wir das noch? Kurzentschlossen laufen wir einfach los. Einer Leuchttafel entnehme ich im Vorbeirennen: Galway 13:49. Hey, der fährt ja erst 4 Minuten später als gedacht, das ist ja fantastisch! Wir drucken in erstaunlicher Geschwindigkeit zwei Tickets aus dem Automaten, passieren die Kontroll-Sperre, müssen dort aber wieder raus, weil unser Ziel-Gleis, Nummer 7 wie sich herausstellt, am ganz anderen Ende des Bahnhofes liegt. Wir winken und wedeln mit unseren Tickets und ein uniformierter Mensch läßt uns gnädigerweise in die entgegengesetzte Richtung wieder durch.</p>
<p>Wir spurten Richtung Gleis sieben. Am anderen Ende. Ein paar Menschen kommen uns entgegen. Viele Menschen dann. Menschenmengen nun. Sie strömen aus einem Zug, der soeben angekommen ist: Der Intercity aus Galway. Arrival 13:49. Hier sieht man es groß auf der Anzeigetafel. Shit. Das war wohl nix. Dann nehmen wir eben den nächsten &#8211; tja, was sind schon zwei Stunden!? Man muß es positiv sehen. Essen ausfassen ist angesagt, wir sind ohnehin sehr hungrig.</p>
<p>Unsere erste Bekanntschaft mit irischem Pubessen ist jedoch nur mäßig erfreulich. Wir teilen uns um sauteures Geld eine Portion matschiges Kartoffelpüree mit zwei trockenen Truthahnscheiben und totgekochtem Gemüse (der Farbe nach zu urteilen waren es im früheren Leben wahrscheinlich einmal Karotten), das Ganze schön salzarm (soll ja gesund sein). Zu unserem Glück gibt es neben Servietten, Salz, Pfeffer und Zucker aber auch noch Saucen: Senf, Ketchup, Mayo und diverse Flüssigkeiten in allen Variationen, Farben und Formen, in Gefäßen oder abgepackt in kleine Röllchen, in Hülle und Fülle: die Sauce &#8211; Lichtblick des irischen Essens, Würze seines fahlen Lebens. Das wird man sich merken müssen.</p>
<p>Den Rest der zwei Stunden Wartezeit verbringen wir den Bahnhof umrundend (man muß sich ja mal bewegen), was mit dem ganzen Gepäck jedoch nicht wirklich optimal ist. Also landen wir bald wieder in einem Pub, bzw. davor, denn die Oktobersonne scheint herrlich warm. Wir klopfen ein Glas Guinness auf seine Genießbarkeit ab und finden es schon mal wesentlich besser als das Essen vorhin. Ist in dem Fall keine große Kunst. Aber ja, doch, laß es ein bißchen einwirken &#8211; es ist wirklich gut, ein wenig schokoladig! Diverse Getränke munden jedenfalls dort, wo sie hergestellt werden. Allerdings nur dort. Zu Hause ist das wieder was ganz Anderes. Man denke an die eine oder andere aus dem Urlaub mitgebrachte Flasche Retsina oder Ouzo, der daheim einfach nur grauslich schmeckt.</p>
<p>So ein irisches Pub ist wohl auch nur in diesem Land besonders schön und stimmig. Es hat jedenfalls ein ganz eigenes Flair, angefangen beim Interieur mit den dunklen Wandfarben und den zahlreichen Zapfhähnen, Spiegeln, Tafeln und Werbeschildern bis hin zu seinem dem Publikum, dem lebendigen Interieur. Skurile Gestalten, sonderbar bisweilen. Wunderbar zum einfach Dasitzen und Beobachten. Wir haben ja gerade Zeit dafür.</p>
<p>Als wir die Bahnhofshalle wieder betreten, schweigt sich die große Anzeigetafel aus: sie zeigt zwar genaue Abfahrtszeit und Destination, aber von welchem Gleis unser Zug abfahren wird, bleibt bis etwa fünf Minuten davor Geheimnis der irischen Bahn. Rund um uns stehen und starren etwa weitere 100 Leute auf die Leuchttafel, und als endlich eine Nummer neben &#8220;Galway&#8221; aufleuchtet, starten alle los wie beim Vienna City Marathon, allerdings mit Koffern und Taschen und größtenteils ohne Laufschuhe.</p>
<p>Wir ziehen mit dem bepackten Menschenstrom zu den Wagen, die sich nun rasch und zügig füllen. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr bis zur Abfahrt. Und wir haben Glück: wir ergattern zwei schöne Plätze am Fenster und lassen uns erleichtert nieder. Geschafft. Für einen kurzen Augenlick jedenfalls. Auf kleinen Leutschildchen neben dem Fenster ist bei uns &#8220;O&#8217;Neil&#8221; und &#8220;McCormick&#8221; zu lesen. Oder so ähnlich. Jedenfalls sind damit sicher nicht wir gemeint, denn wir haben keine Sitzplatzreservierung, nur ein Ticket aus dem Automaten. Doch Namen stehen überall, jeder einzelne Platz hier ist vorreserviert. Wieso bitte sagt uns das niemand? Auch das blöde Internet in Wien nicht?!</p>
<p>Frustriert verlassen wir die Sitze, die kurz darauf schon von ihren rechtmäßigen Besitzern eingenommen werden und suchen uns einen Steh- beziehungsweise AufdemKoffersitzplatz. Meiner trägt mich (sagt man das so, wenn man drauf sitzt?) ganz gut, der meines Mannes dellt sich leider nach kurzer Zeit erheblich ein. Zum Glück gibt es ja einen Boden, auf dem man sitzen kann. Wir hoffen darauf, dass zwei Menschen möglichst bald aussteigen und uns beerben würden, und so kommt es dann auch.</p>
<p>Etwa auf halber Strecke bleibt der Zug stehen. Steht. Und bleibt es auch. Dann eine Durchsage: leider verzögert sich unsere Weiterfahrt, da die Schienen überflutet sind. Auch das noch. Ja, stimmt, es regnet. Aber es scheint auch die Sonne. Ein wirklich prächtiger Regenbogen spannt sich auf einem schwarzgrauen Himmel auf, in dessen Betrachtung wir ein Weilchen versinken. Wie die Überflutung beseitigt werden konnte bzw. warum wir problemlos nach etwa 10 Minuten weiter fahren können, entzieht sich meiner Kenntnis und wird auch nicht erklärt.</p>
<p>Unsere Fahrt nach Galway brachte es schließlich auf drei Stunden und 15 Minuten. Wir hatten also eine dreiviertel Stunde länger als geplant das Vergnügen, die irische Bahn nutzen zu dürfen. Welch Freude. Als wir unsere Unterkunft erreichen (ich akzeptiere heute kein anderes Verkehrsmittel mehr, außer ein Taxi!), sind wir von unserer Haustüre daheim insgesamt 10 Stunden unterwegs. Welcome to the West. Ich fühle mich angekommen. Am Ende der Welt.</p>
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		<title>Alle Wege führen nach Rom &#8211; aber wie kommt man von dort auch wieder weg? Die Abzocke. Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jan 2023 10:31:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach einer kleinen Ruhepause im Hotel fahre ich mit einem Gratis Bus Shuttle (guter Service 🙂 ins Zentrum des abendlichen Geschehens: zur Fontana di Trevi. Ein Eisbär-Gehege in einem großen Zoo sieht auch nicht anders aus. Okay, &#8230;die großen steinernen Statuen (wohlgeformte Körper in anmutigen Posen im Hintergrund) sind schon etwas Besonderes. Dem Eisbär warat&#8217;s [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einer kleinen Ruhepause im Hotel fahre ich mit einem Gratis Bus Shuttle (guter Service <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> ins Zentrum des abendlichen Geschehens: zur Fontana di Trevi. Ein Eisbär-Gehege in einem großen Zoo sieht auch nicht anders aus. Okay, &#8230;die großen steinernen Statuen (wohlgeformte Körper in anmutigen Posen im Hintergrund) sind schon etwas Besonderes. Dem Eisbär warat&#8217;s wurscht. So wie die Menschenmassen davor. Und die vielen Münzen, die ins Wasser geworfen werden. Alljährlich fischt die Stadt Rom angeblich Metall im Wert von 1,4 Millionen Euro aus dem Brunnen. (Sich selbst zu bedienen ist übrigens strengstens verboten!!). Eisbär gibt es jedenfalls keinen &#8211; dem wäre es ohnehin zu warm hier.</p>
<p>Ich setze mich an meinem ersten Rom-Abend Ende Dezember lieber ein wenig abseits vom Geschehen in ein Restaurant in einer unscheinbaren Nebengasse. An der Frischluft verzehre ich das beste Saltimbocca meines Lebens: hauchdünn, in Begleitung eines Gedichts von Sauce mit Salbei und Schinken, dazu gedämpfter Chichoree-Spinat. Das kann schon was. Ich bin glücklich, dass ich ein typisches &#8211; und äußerst gutes &#8211; Lokal gefunden habe. Meine Intuition leitet mich da oft richtig.</p>
<p>Als ich die Rechnung verlange, gibt es ein Problem mit der Kartenzahlung. Ich habe mich vorab natürlich erkundigt: &#8220;si, si, certo, Karte nehmen wir.&#8221; Nun? Wo ist der nächste Geldautomat? &#8220;Kein Problem, geht schon, nur ein paar Minuten Signorina&#8230;&#8221; Ich bestelle einen, nein eine (!) Grappa, zur Verkürzung der Wartezeit und Ankurbelung der Verdauung. Nach etwa 15 Minuten kommt der Kellner, die elektronische Zahlung funktioniert wieder. Der/die Grappa geht leider nicht auf&#8217;s Haus wie erhofft und schlägt mit weiteren 6.- Euro zu Buche. Saftig. Ich frage mich, ob diese Wartezeit beabsichtlgt war&#8230;</p>
<p>Den Heimweg trete ich zu Fuß an, ein nächtlicher Spaziergang über einen Hügel tut gut. Es ist noch immer lauschig warm (für Ende Dezember). Am nächsten Morgen packe ich meine Siebensachen und frühstücke lieber gleich im Hotel: ein Cappucino und ein Cornetto &#8211; das gibt es sogar gratis. Ich habe beschlossen, eine Sightseeing Tour im Doppeldecker Bus zu machen und dann den Menschenmassen zu entweichen und ans Meer zu fahren. Dort habe ich zwei Nächte in einem Airbbnb Appartement gebucht, mit Meerblick -Terrasse. </p>
<p>Die Bus-Tour ist interessant und informativ (ich mache das in jeder Stadt gern, um mir einen Überblick zu verschaffen). Hier gibt es neben den zahlreichen Prunkbauten, Kathedralen und Kirchen noch so viele alte Steinhaufen &#8211; Mauerreste, Säulen, Plätze, Theater und Aquädukte,&#8230; dass ich mich schlicht überfordert fühle. Am Ufer des Tiber steige ich aus und gönne mir eine Pause. </p>
<p>Ich überquere eine kleine Brücke. Diese führt zur Engelsburg, einem imposanten Gebäude, das auf den römischen Kaiser Hadrian zurückgeht und im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut wurde. Mit den beiderseits seitlich aufgestellten Statuen erinnert mich die Brücke ein wenig an die Karlsbrücke in Prag. Dort gibt es allerdings keine &#8220;Legionäre&#8221;. (Ein Mann in Römischer Kampfkleidung, inklusive Helm treibt sich drauf herum&#8230; Instagram Fotomodell?). </p>
<p>Daneben wieder das Übliche: schwarze Menschen, die rotierende Spielzeugautos, Monster, Taschen, Ketten und Sonnenbrillen zum Verkauf anbieten, natürlich mit dazugehöriger elektronischer Geräuschkulisse. Aus einem Kiosk am anderen Ufer dröhnen lautstark Abba Hits. Sie verschmelzen unelegant mit den Elektronik-Spielzeug-Sounds und einem sehr penetranten Dudelsack, der selbstbewußt vor der Burg positioniert seinerzeit wahrscheinlich die schlimmsten Feinde zu verjagen imstande gewesen wäre. Im Hintergrund erhebt sich mächtig der Petersdom. Schon schön, doch dieser Akustikmüll ist eine echte Zumutung!! (Wo ist bitte ist hier die &#8220;Mute&#8221; Taste??) Schließlich finde ich Zuflucht und ein wenig Ruhe in einem kleinen Park an der Burg-Hinterseite, wo ich mich über strahlend blauen Himmel, saftig grüne Pinien und spielende Kinderstimmen freuen kann.</p>
<p>Am Rückweg entdecke ich einen frischen Legionär auf der Brücke Dieser trägt knall-orangene Sneaker. Bitte das geht gar nicht! Aber auf den Fotos ist das wahrscheinlich eh nicht zu sehen. (Auf Instagram sind die Menschen ohnehin immer beschnitten.)</p>
<p>Dann spaziere ich in Richtung Piazza Navona und tauche (endlich) in ein für mich authentisches, sehr charmantes Rom ein, mit Antiquitäten-Läden, Osterias und schlichten Pasta-Lokalen. Ich finde eine Bar, wo ich für ein riesiges, leckeres Tramezzino mit Gamberetti &#038; Rucola nur Eur 2,50 zahle. Natürlich einen Cappucino (um Eur 1,50.-) dazu. Oh yeah. La Vita e bella. Das Leben ist schön. Man muß nur wissen wo.</p>
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		<title>Alle Wege führen nach Rom &#8211; aber wie kommt man von dort auch wieder weg? Die Abzocke. Teil 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2022 23:31:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Nachhinein weiß man immer alles besser. Aber geplant wird im Vorhinein. Für mich persönlich bedeutet das: schöne Sachen (also Reisen :-)) unternehmen, auf die man:frau sich freuen kann, vor allem nach einer besonders anstrengenden Zeit. Um es kurz zu machen, ich hatte eine Auszeit dringend nötig, da mich die letzten Monate mit meiner hochbetagten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Nachhinein weiß man immer alles besser. Aber geplant wird im Vorhinein. Für mich persönlich bedeutet das: schöne Sachen (also Reisen :-)) unternehmen, auf die man:frau sich freuen kann, vor allem nach einer besonders anstrengenden Zeit. </p>
<p>Um es kurz zu machen, ich hatte eine Auszeit dringend nötig, da mich die letzten Monate mit meiner hochbetagten Mutter und diverse damit verbundene Aktionen den letzten Nerv gekostet haben. Am 24.12. noch mal schön Weihnachten mit Familie (inkl. Oma) unterm Baum feiern und dann nichts wie weg. Und zwar ganz alleine! Gedacht, getan. </p>
<p>Das Zugticket (one way) nach Rom war nicht sonderlich teuer, ich erstand es nach einer spontanen Eingebung am Abend des 21. Dezember, natürlich online. Heutzutage geht das ja mit nur einem Klick &#8211; schon ist dein Schicksal besiegelt, bzw. deine Zukunft ein Stück weit vorausgeplant.</p>
<p>Wegen der Rückfahrt wollte ich mir alle Optionen noch offen halten. Wer weiß, wie das Wetter wird, wie lange es mir Spaß macht, in der ewigen Stadt herumzustapfen, es gibt ja so viel zu sehen&#8230;hmmm&#8230; eventuell sogar dort Silvester feiern, ja warum denn nicht? Obwohl, ein Konzert am 30.12. wäre in Wien zu singen, da sollte ich schon wieder zu Hause sein, außer&#8230; naja. Also, zur Sicherheit nur die Hinfahrt buchen, im Liegewagen, ÖBB Nightjet: einmal schlafen und &#8220;bling&#8221; &#8211; schon bin ich in Rom. Wie Weihnachten ist das. </p>
<p>Der erste Cappucino am Bahnhof schmeckt göttlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich pandemiebedingt nun schon zwei Jahre auf Italien-Entzug bin. (Wahnsinn.) Das Hotel ist fußläufig erreichbar (so war das ja klugerweise geplant). Ich laufe an den ausgedehnten Diokletian Thermen vorbei (was ist das denn für ein Riesen-Ziegel-Haufen?? &#8211; sicher was Wichtiges) und stehe nach 15 Minuten an der Rezeption. Es ist 9:30, ich bin ziemlich übernachtig von der Zugfahrt (böse Zungen würden jetzt behaupten, ich hätte ja auch einen &#8220;Liegewagen&#8221; und keinen &#8220;Schlafwagen&#8221; gebucht &#8211; den gab es leider nimmer!).</p>
<p>&#8220;Herzlich Willkommen! Unser check in beginnt um 15:00 :-)&#8221; Oida! Sie können aber sehr gerne Ihr Gepäck schon mal da lassen. Und an der Bar einen Kaffee trinken. Oder wenn Sie möchten: ein &#8220;early check in&#8221; wäre auch möglich, ab 11:00 kostet zzgl. Eur 28.- Grins.&#8221;</p>
<p>Kurze Überlegung, schnelle Kapitulation: ich bin saumüde und will dieses kuschelige Hotelbett JETZT, SOFORT! Oder halt möglichst bald. Ich trinke einen Kaffee und oh, Wunder, das Bett ist nach ca. 10 Minuten schon fertig. </p>
<p>Ich schlafe eine Weile süß und nehme danach die Stadt in Angriff. Eigentlich will ich nur in so eine kleine Bar, für meinen Cappucino No.3 und ein kleines Tramezzino. Nicht so leicht zu finden, dafür gibt es jede Menge Restaurants, Pizzerien, Fast Food Lokale, Osterias. Ich bleibe hartnäckig. Das Kollosseum taucht vor mir auf. Ich weiß, in welche Richtung ich gehen muß. Bis zum Petersdom ist es zwar noch ein Stück, aber der Platz hier vor dem Amphitheater ist schon voll &#8220;urbi et orbi&#8221; also voll &#8220;ur und oag&#8221;. So viele Menschen tummeln sich da, es &#8220;wurlt&#8221; in alle Richtungen und es ist laut. &#8220;Wollen Sie eine Privat Tour buchen? Heute ist das Ticket Office geschlossen! Ich biete Ihnen&#8230;&#8221; Nein, danke.</p>
<p>Das akustisch Wertvollste hier stellt für mich ein junger Mann mit seiner Gitarre dar (natürlich auch der verstärkt), den man aber erst jetzt hört, wo der Schlager-Karaoke-Playback-Sänger mit seiner Turbo Anlage eine Pause macht. Dazwischen wui wui, knarrz, knarrz, tok, tok tok&#8230; Spielzeug Elektro Autos, die leuchten und sich drehen, diverse batteriebetriebene Plastikmonster, die zum Verkauf angeboten werden, Sonnenbrillen, Halstücher, Schmuck, Handtaschen und Vieles mehr &#8211; allesamt feilgeboten von kohlrabenschwarzen Menschen, die perfekt englisch oder französisch sprechen. In der Ferne quäkt ein Dudelsack. Auch das (gibt es) noch.</p>
<p>Doch die Sonne scheint an diesem 26. Dezember und es hat herrliche 17 Grad. Ich schreite ungeachtet dieser zahlreichen Verlockungen voran und finde sogar einen freien Platz auf einer Lokalterrasse, wo ich mich niederlassen und ein Glas Prosecco im Freien genießen kann. Molto bene. Preis: Euro 6.- Na servas.</p>
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		<title>Andalusisch Reisen Teil 1 &#124; Bergdorf Frigiliana</title>
		<link>https://renatereich.at/andalusisch-reisen-teil-1-bergdorf-frigiliana/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Apr 2022 18:45:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Anflug minus 16 Koffer Unsere Reise nach Spanien beginnt mit einer seltsamen Ankündigung des Flugkapitäns an Bord unserer Maschine nach Malaga: &#8220;Unser Abflug verzögert sich leider noch etwas, da wir 16 Gepäcksstücke wieder ausladen müssen. Einige Personen haben sich entschlossen, die Reise heute nicht anzutreten.&#8221; Verwunderung allseits &#8211; welche Idioten checken ihr Gepäck ein, um [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anflug minus 16 Koffer</strong></p>
<p>Unsere Reise nach Spanien beginnt mit einer seltsamen Ankündigung des Flugkapitäns an Bord unserer Maschine nach Malaga: &#8220;Unser Abflug verzögert sich leider noch etwas, da wir 16 Gepäcksstücke wieder ausladen müssen. Einige Personen haben sich entschlossen, die Reise heute nicht anzutreten.&#8221; Verwunderung allseits &#8211; welche Idioten checken ihr Gepäck ein, um dann doch nicht mitzufliegen??? Ich denke kurz an einen möglichen Defekt des Fliegers, verwerfe den Gedanken aber bald wieder als wenig hilfreich und versuche, ein Wenig zu dösen. Die vergangene Nacht war kurz und nicht besonders schlafintensiv: Ich leide an typischem &#8220;Vorfreudeaufregungnichtschlafenkönnenundsichmindestens hundertmalherumwälzen&#8221;. AUA schafft es jedenfalls in erstaunlich kurzer Zeit, das Auslade-Problem zu lösen und es geht endlich los.</p>
<p>Nach einiger Zeit flüchtet eine Frau von hinten auf den neben mir freigebliebenen Sitz und berichtet von feucht-fröhlich-nervenden Zuständen in den letzten Reihen. Die Besitzer der 16 wieder ausgeladenen Teile scheinen schon am Flughafen in Wien dermaßen alkoholisiert gewesen zu sein, dass man es wahrscheinlich vorgezogen hat, sie erst gar nicht nicht an Bord zu lassen. Es ist Beginn der Osterferien, eine Restgruppe der unfreiwillig Abtrünnigen befindet sich jetzt grölend im Heck und weigert sich, Maske zu tragen. Es ist immer noch Coronazeit und Maskenpflicht an Bord. Nun gut, der großangelegten Zufuhr von alkoholischen Getränken ist das zugegebenermaßen nicht besonders förderlich. Zum Glück sitzen wir in der Mitte und haben davon bislang nichts mitgekriegt</p>
<p>Ein äußerst gut gelaunter Kapitän zeigt uns den verschneiten Großglockner auf der rechten und die drei Zinnen auf der linken Seite und belohnt uns mit einem spektakuläten Anflug über die Sierra Nevada, hinunter in weitem Bogen über das Meer, wo er lange sehr tief fliegt und ich mir schon Sorgen mache, dass wir bei der nächsten Kurve mit einem Flügel an der Wasseroberfläche kratzen oder dem unmittelbar unter uns dahintuckernden Frachtschiff einen Besuch abstatten würden. Ich freue mich über eine letztendlich meisterhaft geglückte Landung (es gibt sogar Applaus <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> ebenso wie über die Tatsache, dass mein Handgepäck auch tatsächlich mitgekommen ist. Weil der Flieger so voll war, wurde gebeten, möglichst Alles &#8211; kostenlos &#8211; einzuchecken: &#8220;Bitte das Köfferchen einfach in der Kurve zum Flugzeugeingang abstellen.&#8221; Und dann in guter Hoffnung verharren. Ging ja gut &#8211; diesmal zumindest.</p>
<p><strong>Weiß ist relativ und kalt ist ziemlich</strong></p>
<p>Ich bin mit meinem Mann unterwegs und unsere erste Station ist eines der typischen romantischen, weißen Bergdöfer Andalusiens. Nur von weiß kann jetzt gerade keine Rede sein: ein Unwetter hat tonnenweise Saharasand über das Meer verfrachtet und alles mit einem leuchtenden Rostrotton überzogen. Überall sieht man Menschen wischen, putzen und kärchern &#8211; damit die berühmten Dörfer für die Touristen bald wieder in gewohntem, sattem Weiß erstrahlen können. Die steingepflasterte, steile Hauptstraße des alten Ortskerns von Frigiliana ist für solche Wassermassen nicht ausgelegt, es ist hier dermaßen rutschig, dass man aufpassen muß, sich nicht den Hals zu brechen. Mein Mann kann sich nach einem kleinen Aufsitzer mit der Hand gerade noch abfangen, ich krieche in Zeitlupentempo die Gasse hinunter und schaffe es sogar ohne unerwünschten Bodenkontakt. Zwei Tage lang hört man unentwegt den Kärchermotor laufen. Das nervt. Aber dafür ist der Ausblick großartig: dunkelrote Ziegeldächer, grüne Berge, und dahinter das blaue Meer &#8211; man sieht bis zum Küstenort Nerja hinunter. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint, alles traumhaft. Wir sind weit weg vom noch immer wintergrauen Wien und saugen die spanische Frühlingsluft dankbar ein.</p>
<p>Wir wohnen für vier Tage in einer schnuckelig kleinen Altstadtwohnung mit mehreren Zimmerchen, einer Dachterrasse und steilen, engen Treppen &#8211; alles mini klein und perfekt, um sich den Kopf anzuhauen. Was uns auch immer wieder mal gelingt. Im Sommer ist das sicher der perfekte Ort, um der spanischen Hitze zu entfliehen, kurz vor Ostern im April jedoch einfach nur saukalt. Die dicken Mauern werden einfach niemals warm, die Fenster sind klein und dafür ausgelegt, möglichst wenig Sonne nach innen zu lassen. Wir reißen alle Fenster und Türen weit auf, doch trotz Sonnenscheins und angenehmer Tagestemperaturen wird es innen einfach nicht warm, und schon gar nicht gemütlich. Wenn die Sonne untergeht, fällt die Kälte gnadenlos ein. Wir schlichten alle Decken, die wir finden können übereinander und schlafen in voller Montur. Ich habe nur einen einzigen (weißen) Sweater mitgebracht. Ein Fehler. Das erste was ich mir in unserem Spanienurlaub kaufe, ist ein Anorak, ohne Ärmel, aber gut gefüttert. Der rettet mir das Leben.</p>
<p>Wir finden unsere &#8220;neue Heimat&#8221; in einer Tapas Bar der besonderen Art. Schon beim ersten Umherstreifen ist uns diese kleine Oase aufgefallen. Coole Musik, geschmackvolle Einrichtung, ein Platz um sich gemütlich niederzulassen &#8211; eine Vinothek mit einer ausgesuchten Jazz-Plattensammlung! Vinyljuwelen stehen in einer kleinen Nische, mein Mann ist vollauf begeistert. Die Besitzerin erzählt, dass ihr Freund DJ ist und die Platten ihm gehören, jetzt gerade ist er in London. Hier fühlen wir uns wohl. Wir kosten uns durch Empanadas, Spargel, Oliven, Öl und diverse Weine und lassen relativ viel Geld da. Aber was soll&#8217;s &#8211; ein Wohlfühlabend, der sich später noch einmal wiederholen sollte.</p>
<p><strong>Gewagte Fahrmanöver durch enge Gassen</strong></p>
<p>Am nächsten Tag schieben sich schon die ersten Touristengruppen an unserem Frühstücks-Tisch vorbei, folgen einem fähnchenschwenkenden Anführer und fotographieren alles, was sie vor die Linse kriegen: weiße Häuser, Treppen, Pflaster, Fliesen, Balkone, Blumenschmuck,&#8230; Wir sitzen in einem kleinen Cafe &#8211; vier Tische auf einer mini Terrasse, davor liegt die enge Haupt-Gasse, durch die aller Fuß- und auch Wagen-Verkehr führt. Wir beoachten erstaunliche Fahrmanöver, millimetergenaue Präzisionsarbeit mit glegentlichen Seitenspiegeleinklappungsaktionen. Auch ich mußte am Tag zuvor mit unserem Mietauto durch diese Gasse zu unserem Quartier zufahren und freute mich, dass wir uns für keinen größeren Wagen entschieden hatten. Man fährt quasi mitten durch die kleinen Obst-Geschäfte und Souvenirläden durch, Passanten drücken sich abenteuerlich, abrupt in Hauseingänge oder diverse Nischen, aber irgendwie geht sich letztendlich alles aus.</p>
<p>Wir flüchten nach dem Kaffee gleich mal in höhere Sphären, steigen bergan und freuen uns über den Ausblick. Ein älterer Mann lädt uns in seinen Garten ein und beschenkt uns mit Avokados: er hat so viele, dass er gar nicht weiß, wohin damit. Sie erweisen sich als die köstlichsten, die wir jemals gegessen haben. Wir erklimmen einen Hügel mit noch grandioserer Aussicht, gehen eine Zeitlang entlang einer Wasserleitung mit Blick in eine Schlucht, steigen viele, viele Treppen und freuen uns über die wunderschöne Natur.</p>
<p>Nach vielen Schritten und zurückgelegte Stockwerken (zum Glück informiert uns ja eine App über unsere tolle Leistung! <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> lassen wir uns auf unserer kleinen Dachterrasse nieder. Diese entpuppt sich als der gemütlichste und wärmste Ort und dort fühlt es sich wirklich an wie Urlaub im Süden. Großartig!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schwedisch Reisen &#124; Zurück in die Zukunft</title>
		<link>https://renatereich.at/schwedisch-reisen-zurueck-in-die-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Dec 2021 10:49:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch nie habe ich mich bei einer Reise so gefühlt, als wäre ich plötzlich in der Vergangenheit gelandet. Ja, in Afrika, wenn die Unterkunft oder das Essen recht einfach war, oder in der Bretagne, als man uns auf einem Bauernhof einmal für drei Tage eine Trockentoilette zumutete, war das auch eher &#8220;von gestern&#8221;. Aber das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Noch nie habe ich mich bei einer Reise so gefühlt, als wäre ich plötzlich in der Vergangenheit gelandet. Ja, in Afrika, wenn die Unterkunft oder das Essen recht einfach war, oder in der Bretagne, als man uns auf einem Bauernhof einmal für drei Tage eine Trockentoilette zumutete, war das auch eher &#8220;von gestern&#8221;. Aber das meine ich nicht. Das läuft unter kulturell oder regional bedingte Unterschiede. Meine Reise nach Stockholm in diesem Dezember 2021 war eine Reise in eine hochmoderne Welt, in der alles ganz &#8220;normal&#8221; war. So wie bei uns früher. Alle Geschäfte sind geöffnet und gut frequentiert, die Menschen amüsieren sich bei einem Bier und sitzen dicht gedrängt an der Bar, die Restaurants haben Hochbetrieb und die Kellner wuseln herum, wie eh und je, als ob nichts wäre.</p>
<p>Nicht einmal in der U-Bahn tragen die Leute Masken. Auch nicht am Flughafen. Lediglich eine Empfehlung existiert in Form von gelben Schildern oder Aufklebern: &#8220;Halten Sie 2m Abstand&#8221; oder &#8220;Tragen Sie einen Mund-Nasenschutz&#8221;. Daran halten tun sich die Wenigsten. Und wie soll man bitte vor einem Security-Check-Schalter jemals 2m Abstand zum Nächsten halten, wenn man sich inmitten einer Menge von etwa 200-300 Menschen befindet, die alle innnerhalb der nächsten 1, 2 Stunden irgendwohin fliegen wollen? So groß ist kein Flughafengebäude. Jedenfalls nicht das in Stockholm.</p>
<p>Wie sich das anfühlt, brauche ich wohl niemandem zu beschreiben. Erstmal großartig. Zumal wir gerade aus einem Wien kommen, das sich im totalen Lockdown befindet. Wir spazieren durch die hübschen, weihnachtlich dekorierten Straßen und sind erstaunt darüber, dass nicht nur alle Geschäfte offen sind, sondern auch alle Eingangstüren zu den Shops. Sperrangelweit, wie im Hochsommer. Und das bei minus vier Grad.</p>
<p><strong>Nordische Frischluftkur</strong></p>
<p>Frischluft ist schon mal eine gute Variante, um Virenlasten zu verdünnen. Das scheint hier zumindest im Handel ganz gut zu funktionieren. In den Restaurants und Bars hingegen ist mir das nicht so ganz nachvollziehbar. Gasträume sind zwar meist professionell entlüftet, aber das auch nur in größeren Häusern. Ich bin jedenfalls trotzdem ein wenig vorsichtig, wenn es dicht wird. In der U-Bahn fühle ich mich ohne Maske fast nackt, richtig strange ist das, aber für mich fühlt es sich anders besser an, also setze ich dort das Ding eben auf. Am Flughafen sowieso. Aber dazwischen genieße ich die Freiheit und die Lebendigkeit dieser Stadt. Menschen, die sich zuhauf ungezwungen in einem Lokal amüsieren, wann habe ich das zuletzt gesehen? Im Sommer vielleicht, in einem Gastgarten, ja, in Kroatien&#8230;. auch schon eine Weile her.</p>
<p>Das schwedische Wunder, angeblich wissen es die obersten einheimischen Virengurus auch nicht, wieso das dort so geht, die Impfrate ist nämlich erstaunlicherweise gar nicht so außergewöhnlich hoch. Vielleicht kommt sie ja noch die Welle, aber darüber will ich weder schreiben noch spekulieren. Ich selbst bin jedenfalls dreimal geimpft und fühle mich einigermaßen geschützt. Ich bin riesig froh, diese Reise unternehmen zu können und nehme mir einen Teil dieses ungezwungenen, freien Gefühls mit nach Hause und genieße es vor Ort in vollen Zügen. Als passionierte Reiserin in südliche Gefielde tut es mir fast leid, dass ich diese wunderbare Stadt nicht schon früher entdeckt habe. Auch wenn es kalt ist und die Sonne schon um 15:00 untergeht. In Stockholm ist es im Winter lange stockfinster und ich habe nach drei Stunden Dunkelheit schon um 18:00 das Gefühl, es wäre an der Zeit, bald schlafen zu gehen. Hell wird es auch erst um 8:15, da lohnt es sich auch nicht einmal, früh aufzustehen. Aber egal.</p>
<p><strong>Die Stadt im Wasser</strong></p>
<p>Ich habe eine neue Liebe gefunden, und zwar dort, wo ich sie niemals vermutet hätte, im hohen Norden. Diese großartige Stadt muß unbedingt noch öfter bereist werden. Die Lage am Wasser ist einzigartig, die Stadt verteilt sich über 14 Inseln. Überall gibt es Wasser und Brücken, aber anders als in Amsterdam, Venedig oder Kopenhagen sind das keine Kanäle, hier ist Inselhopping angesagt. Die Gebäude sind prunkvoll und mit vielen Türmchen ausgestattet, die Altstadt und die angrenzenden Stadtteile sind malerisch, man kann endlos durch Gassen schlendern und einfach nur schauen. Es gibt auch noch viele alte Häuschen aus Holz, was mich persönlich besonders begeistert, da ich solche ja sehr gern male. Die Geschäfte und Lokale sind sorgfältig, geschmackvoll und ideenreich dekoriert, und man fühlt sich dort gleich wohl. Beim Betreten einer Gaststube wird sofort unaufgefordert Wasser serviert, oder es steht ein Behältnis zur Verfügung, wo man sich welches holen kann, und das natürlich gratis.</p>
<p>Ich bin mit meiner Tochter unterwegs, der ich zum 20. Geburtstag diese Reise geschenkt habe. Nicht ganz uneigennützig (LOL). Wir lieben es, zu zweit fremde Städte auszukundschaften (wobei mir die Shopping Komponente weitaus weniger wichtig ist als ihr ;-). Mittlerweile hat sie ein Alter erreicht, wo sie auch für Museen zu begeistern ist, gerne einfach mit mir durch die Straßen schlendert, Eindrücke sammelt und Fotos macht. Und wir können zwischendurch auf einen Drink gehen und über Gott und die Welt plaudern. Love it.</p>
<p><strong>Fotografiska und der schönste Ausblick von Welt</strong></p>
<p>Die Zeit vergeht wie im Flug. Altstadt, Bürgerhäuser, Königspalast, liebevoll renovierte Holzhäuser, Blumen- und Weihnachtsmärkte, eine historische Markthalle,&#8230; Drei Tage sind definitiv zu wenig, allein die Kälte setzt der Entdeckungslust ein wenig entgegen. Schön, dass man sich für eine Weile in ein Cafe oder ein Museum zurückziehen kann, z.B. in das &#8220;Fotografiska&#8221;, Museum für Fotografie &#8211; untergebracht in einem denkmalgeschützten Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert. Ich liebe solche Bauten, außen völlig romantisch retro und im Inneren hypermodern. Eine Videoinstallation von &#8220;shaking cats &amp; dogs&#8221; in mega Zeitlupe begrüßt und amüsiert uns, schlabbernde Möpse und Bulldoggen, Fellmonster und Haarkönige. Die mehrere Themen umfassende Ausstellung ist nicht sonderlich groß (echt tolle Fotografien und Videoinstallationen!) dafür aber umso beeindruckender, sie wird aber noch überragt vom Ausblick aus den riesigen Panoramafenstern des Museumsrestaurants auf die gegenüberliegende Stadtinsel bei Sonnenuntergang. Leider werden wir verscheucht, weil wir nur einen Kaffee trinken wollen, für ein Abendessen ist es uns um 15:15 eindeutig zu früh, doch nächstes Mal würde ich das sicher dahingehend timen, nur um dort sitzen und den großartigen Ausblick genießen zu können.</p>
<p>Wir kehren hundemüde mit einigen (Shopping-) Beutestücken in unser Hotel zurück, wo wir die Zeit bis zum Abendessen überbrücken (also, früher als 18:00 geht gar nicht) und kriechen in unsere Betten, wo man nach einer etwa 30 minütigen Heißwasserdusche ein wenig Komfort finden und genießen kann. Das Haus ist alt, dafür in einer Top-Lage. Es zieht und es ist kalt im Zimmer. Die Frischluftversorgung ist auf jeden Fall garantiert.</p>
<p><strong> </strong><strong>Kötbullar ist kein Schimpfwort</strong></p>
<p>Der kulinarische Höhepunkt unserer schwedischen Reise, das erste warme Essen innerhalb der letzten zwei Tage steht unmittelbar bevor: &#8220;Köttbullar&#8221; &#8211; für meinen Mann, einen &#8220;Ikea-Restaurant-Hasser&#8221; ein Schimpfwort &#8211; zu unrecht, wie ich hier anführen möchte!! Diese hier sind ein Gedicht aus Elch- und Rentierfleisch in sämiger Sahnesause mit flockigem Kartoffelpüree und frischen (!) Preiselbeeren, besser bekannt als Cranberries. Herrlich, himmlisch, hervorragend. Beim Bezahlvorgang streikt meine Bankomat-Karte, wahrscheinlich will auch sie ihren Unmut über die astronomischen Preise zum Ausdruck bringen. Ein Glas Wein kommt etwa auf umgerechnet Eur 11.50, dafür ist es mehr als ein Achterl, wahrscheinlch 0,2 l. Ich habe ja eh vorsorglich nur eines getrunken!! Zum Glück hat meine erwachsene Tochter auch noch eine Bankomatkarte dabei, Bargeld besitzen wir keines, es würde ohnehin wahrscheinlich nicht akzeptiert. In Schweden zahlt man alles mit Karte, vom Glögg am Punschstand bis zum Großeinkauf im Möbelgeschäft.</p>
<p><strong>Fast wie am Nordpol</strong></p>
<p>An unserem letzten Tag steht noch ein Ausflug ins Winterwonderland bevor. Nach nur 10 Minuten Fahrt mit der Fähre, die Teil des umfangreichen öffentlichen Verkehrsnetzes ist, erreicht man die Insel Djurgarden, die im Sommer zum Pickniken und Spazieren oder in den hypermodernen Luna Park einlädt, jetzt aber der ideale Ort ist, um (vor)weihnachtliches Feeling aufkommen zu lassen. Wir besuchen das Freilichtmuseum &#8220;Skansen&#8221;, ein absolutes Highlight unserer Winterreise. Wir haben Glück. dass es vor einigen Tagen geschneit hat und alles wunderweiß angezuckert ist. Dafür ist die Kälte ja gut &#8211; dass sich nicht gleich alles in &#8220;Gatsch&#8221; verwandelt, wie meistens nach einem Schneefall in Wien.</p>
<p>Ein gewisser Herr Skansen hat vor vielen Jahren alte Holzhäuser in ganz Schweden vor zerstörendem Abriß bewahrt und auf dieser Insel wieder aufstellen lassen. So entstand ein richtiges Dorf, durch das man schlendern kann, mit einem Tierpark, wo natürlich auch Elche und Rentiere zu bewundern sind. In einigen Häusern wird alte Handwerkskunst demonstriert: in der Glasbläserhütte können wir zusehen, wie die schönen mundgeblasenen Weihnachts-Kugeln gemacht werden. Ziemlich aufwändig ist das und es erfordert viel Fingerspitzengefühl und Geduld.</p>
<p>Das Gelände ist pittoresk, weitläufig, hügelig und baumreich &#8211; und um Einiges kälter als in der Stadt. Vor jedem potentiellen Fotomotiv überlegen wir uns gut, ob es sich lohnt, die Handschuhe auszuziehen&#8230;? Mittendrin befindet sich der riesige, wunderschöne Weihnachtsmarkt. Hier findet man kaum Kitsch, sondern geschmackvolle und sinnvolle Sachen, jede Menge Textilien (gestrickt, genäht, gehäkelt, gefilzt&#8230;), Kerzen (hübsch :-), Spielzeug, Geschirr und Keramik (auch hübsch :-), mundgeblasene Glaskugeln (megahübsch :-!) und so weiter und so fort. Alles ziemlich brauchbar und das Meiste echt schön. Jede Menge Delikatessen gibt es natürlich auch, von unzähligen Käse- und Brotsorten, Süßigkeiten (herrliche Zimtschnecken!!!), bis zum Rentierschinken und süßem, wundervoll heißen Glogg. Den benötigt man bei diesen Temperaturen unbedingt! Bei Sonnenschein hat es minus drei Grad, fühlt sich aber noch um Einiges kälter an. Das erste, was man sinnvollerweise macht, um hier etwas länger überleben zu können ist, sich warme Boots mit dicker Sohle zu kaufen. Das ist schon mal die halbe Miete. Yes, we did it!</p>
<p><strong>Plastikgeld ist doof</strong></p>
<p>Für einen Rentierschinken reicht unser (Plastik-) Geld gerade noch. Bei der Rückfahrt mit der blauen Straßenbahn streikt leider auch die Bankomat Karte meiner Tochter. Unser 24 Stunden Ticket ist vor ca.15 Minuten erst ausgelaufen und der Schaffner läßt Milde vor Gerechtigkeit walten. Beim anschließenden Kaufversuch zweier Teetassen in einem Deko-Store müssen wir uns endgültig geschlagen geben, keine der beiden Karten funktioniert nun mehr. Bargeld? &#8211; leider nein, sorry, das  akzeptieren wir nicht. Ich hätte ja einen Bankomat suchen können&#8230;?! Nun eröffnet sich uns folgendes Problem: wie kommen wir zum Flughafen, ohne Geld?? Es ist Mittag und wir müssen an die Heimreise denken. Ich versuche, über die Banking App Geld von meinem Konto (mit Geld) auf mein anderes Konto (ohne Geld) zu transferieren, doch leider kann der Auftrag erst am nächsten Werktag (morgen) durchgeführt werden. Es ist Sonntag Mittag. Ich kontaktiere die Notfallnummr der Bank Austria. Der Telefonherr ist sehr nett, kann aber auch nicht helfen, außer uns den Tipp zu geben, die Zug-Fahrt zum Flugplatz vorab per online Banking zu bezahlen.</p>
<p>Zum Glück habe ich meine Visa Karte dabei, meine Tochter hat den Zahlungsmodus schnell herausgegoogelt. Blöd ist nur, dass ich meinen Visa Secure Code nicht weiß. &#8220;Ruf den Papa an, der muß uns jetzt mit seiner Visa Karte helfen.&#8221; &#8220;Sicher nicht! Das kommt gar nicht in Frage.&#8221; Schon oft hat mich mein Mann ermahnt, ich solle doch sorgfältiger mit Überweisungs-Limits und Kartencodes verfahren. Das wäre ein gefundenes Fressen für ihn und eine Schmach für mich. No go. Das Kind ruft seine Freundin an. Die hat zum Glück auch eine Visa Karte und rettet uns. Fffff&#8230;</p>
<p>Um etwa 14:00 sind wir am Flughafen. Meine Tochter vergißt in der Aufregung ihre Haube im Zug, aber hier ist es ja gücklicherweise nicht mehr nötig, eine aufzusetzen. Dafür die Maske. Soviele Menschen auf einem Haufen sind uns doch etwas unheimlich. Nach dem mühsamen security check überkommt uns der Hunger. Seit dem Frühstück haben wir nichts mehr gegessen. Bankomat funktioniert nicht. Ich kann in meiner Geldbörse noch heiße Euro 15.- sicher stellen. Damit gehen wir zum Wechselschalter. &#8220;Wir würden uns gern etwas zum Essen kaufen, unsere Karten funktionieren nicht mehr.&#8221; Ein mitleidiger Blick einer netten Dame mustert mich: &#8220;Is that all you have??? We take comission&#8230;&#8221; Ja, egal, ich werfe alles hinein. Sie händigt mir 144.- Schwedenkronen aus mit der Anmerkung &#8211; sie habe keine Wechsel-Gebühr genommen. Ist das nett, große Freude. Wir stürzen uns auf den nächsten Stand &#8211; zwei Tramezzini und eine Flasche Wasser gehen sich aus. Sorry, no cash. Meine Tochter ist genervt und hungerbedingt äußerst gereizt. Wir suchen unser Gate auf. Dort parke ich sie mit unserem Gepäck und mache mich nochmal auf Futtersuche. Es gelingt mir, einen Shop zu finden, der mein Papiergeld nimmt. Noch mal gut gegangen. Das nächste Mal nehme ich mindestens zwei Bankomat Karten, eine Kreditkarte UND Papiergeld mit. Zur Sicherheit. Und ich lerne davor alle Codes auswendig!</p>
<p>Renate Reich, 8. Dezember 2021</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Südafrikanisch Reisen 3 &#124; Die Gute Hoffnung</title>
		<link>https://renatereich.at/suedafrikanisch-reisen-teil-3-die-gute-hoffnung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Nov 2018 21:01:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Guter Hoffnung zu sein ist ja prinzipiell etwas Schönes. Der Begriff an sich ist ein durchaus positiver, beinhaltet jedoch auch eine gewisse Komponente von Unsicherheit, die ein Ereignis betrifft, das in der Zukunft liegt. Wir machen uns hoffnungsfroh auf den Weg zum Kap, das diesen Namen trägt. Zum südlichsten Punkt Afrikas. Zumindest ist es der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Guter Hoffnung zu sein ist ja prinzipiell etwas Schönes. Der Begriff an sich ist ein durchaus positiver, beinhaltet jedoch auch eine gewisse Komponente von Unsicherheit, die ein Ereignis betrifft, das in der Zukunft liegt.</p>
<p>Wir machen uns hoffnungsfroh auf den Weg zum Kap, das diesen Namen trägt. Zum südlichsten Punkt Afrikas. Zumindest ist es der süd-östlichste. Dort, wo die beiden Ozeane sich noch nicht vermischen, denn das berühmte „Kap der guten Hoffnung“ ist von reinem Atlantikwasser umspült und von heftigen Winden umtost, dem bekanntlich schon einige Schiffe zum Opfer gefallen sind.</p>
<p>Auf unserem ersten Stop im Örtchen Muizenberg begrüßt er uns schon mit kräftigem Gebläse. Ich halte meinen Hut fest. Der Strand ist wunderschön, weißer Sand mit glasklarem, türkisbauen Wasser, karibisch anmutend, wie im Reisekatalog. Nach einer vorsichtigen Probe mit den Zehenspitzen finden wir unsere Vermutung bestätigt; und wir wissen auch sofort, warum sich keiner der zahlreichen Surfer ohne Neopren Anzug auf’s Meer hinauswagt. Maximal 14 Grad soll das Wasser hier angeblich im Sommer kriegen. Paradoxerweise ist es im Winter wärmer, aufgrund irgendwelcher jahreszeitlich bedingter Strömungen.</p>
<p>Dementsprechend kurz fällt also unser Strandspaziergang aus, wir ziehen ein windgeschütztes Plätzchen vor, an dem man in aller Ruhe einen Kaffee schlürfen kann. Nicht, ohne davor ein Foto von den hübschen hölzernen alten Strandhäuschen gemacht zu haben, die knallbunt in den Farben der südafrikanischen Flagge leuchten: blau, gelb, grün und rot – wie auf einem der Bilder des frühen Jean Miro, heute auch werbewirksam verwendet für die Spanien Touristenwerbung.</p>
<p>Weiter geht es nach Simon’s Town, dessen Hauptstrasse von prunkvollen viktorianischen Häusern gesäumt ist, mit verschnörkelten Säulen, Balkonen und Veranden, kunstvoll aus Metall gefertigt ubd weiß angestrichen. Wenn man sich die verkehrsreiche Straße und das Meer auf der anderen Seite wegdenkt, könnte man glauben, man ist in einer Stadt im Wilden Westen. Würde hervorragend für eine Filmkulisse herhalten. Ein paar Pferde müßte man vielleicht noch aufstellen.</p>
<p>Wir wandern hinunter zum kleinen Hafen und den Pier entlang. Ich schieße ein pittoreskes Foto von einem schwarzen Mann mit Hut, der vor einem Wald aus Schiffsmasten sehnsuchtsvoll in die Ferne schaut. Möwen kreischen. Ein Katze miaut. Wir gehen weiter. Ein Hahn kräht. Wir schauen uns fragend an. Was macht bitte ein Hahn auf diesem Pier ? Die Katze miaut wieder, dann bellt ein Hund. Vögel zwitschern, ein Pferd wiehert. Der Mann mit dem Hut kommt uns entgegen. Wir lauschen angeregt, schauen ihn jetzt genau an und hegen den ersten Verdacht. Ja, ER ist es. Er macht alle diese Tier-Geräusche. Und zwar so unglaublich echt, dass man es kaum glauben kann.</p>
<p>Wir sprechen ihn an. Wieviele Tiere kann er denn nachmachen? 30 Tiere sind es jetzt. Er lernt aber immer neue dazu, jeden Tag übt er das. Wir geben ihm ein Trinkgeld in ein Plastikgefäß, das er hinter dem Rücken trägt. Großartig! Womit sich die Leute hier ein bißchen Geld vedienen!! Aber er ist echt gut. Sehr talentiert, wie die Kellnerin in der kleinen Hafenbar formuliert. Jeden Tag ist er da. Ziemlich unauffällig, ja völlig unverdächtig geht er am Pier und vor dem Lokal auf und ab, und schaut verträumt in den Himmel. Ein Ehepaar kommt vorbei. Er bellt laut und zwickt die Frau von hinten in die Wade. Diese schreit auf, die beiden Eheleute blicken völlig verwirrt und suchend umher. Alle lachen. „One day he will cause someone’s heartattack“, meint die Kellnerin schmunzelnd.</p>
<p>Wir erfrischen uns mit einem Drink und ich bewundere die Kunstwerke bei einem neben uns aufgebauten Stand. Hier gibt es wirkliche Tiere, zu kaufen, wirklich handgemachte, aus Perlen, Holz, Metall, Draht und allen möglichen und unmöglichen Materialen. Die Afrikaner sind großartige Kunsthandwerker. Und Recycling-Künstler. Am Besten gefallen uns die aus alten Autoteilen gefertigten, die teilweise rostig, teilweise noch mit alten Lackresten behaftet sind. Wir entscheiden uns für einen Elefantenkopf, den man an die Wand hängen kann, sehr hübsch und erstaunlich billig. Als Draufgabe noch einen Löwen, zwei Vögel und einen ganzen Elefanten. Ich möchte den Leuten hier durch einen Kauf Anerkennung zollen und sie auch finanziell unterstützen.</p>
<p>Nach Simon’s Town geht es weiter südwärts, zur Haupt-Touristentraktion, dem „Pinguin Strand“. Eine Kolonie von Brillenpinguinen lebt hier und kann für ein kleines  Eintrittsgeld besichtigt werden. Ein äußerst lohnendes Fotomotiv! Theoretisch könnte man auch mit ihnen schwimmen gehen; wenn man das wollte. Und wenn man Glück hat, und sie in der Nähe sind. Aber obwohl auch dieser Strand rein optisch zur Kategorie Traumstrand gehört, ist das Wasser eindeutig viel besser für Pinguine geeignet, die vorher stundenlang in der Sonne herumgestanden sind. Einer dieser komischen Vögel aber zieht es vor, im schattigen Gebüsch beim Parkplatz zu dösen. Zahlreiche Schilder weisen darauf hin, dass man auf versteckte Pinguine achten soll. Auch unter den Autos scheinen sie sich manchmal aufzuhalten.</p>
<p>Am Eingang zum Naturschutzgebiet des Kaps, wo man wiederum ein Ticket kaufen muß, hat sich eine lange Autoschlange gebildet. Es ist Mittag, die Sonne brennt herab, es ist heiß im Wagen, Mein Mann will sofort umdrehen, ich erinnere ihn aber daran, dass er am Vorabend gemeint hat, wenn er schon da ist, muß er unbedingt hinunter bis zum berühmten Kap!</p>
<p>Murrend reiht er sich ein, es dauert etwa eine halbe bis 3/4 Stunde bis wir endlich unser Ticket gelöst haben. Wolken ziehen auf. Schnell sind sie da nicht gerade bei der Abfertigung. Aber das ist hier nirgends so. „Schnell“ geht gar nix. Und „gleich“ schon gar nixer. Hoffnungsfroh fahren wir also in den Park, um nach etwa 10 Minuten wieder in der Kolonne zu stehen. Die Straße wird saniert und nur eine Spur, die wechselweise für den Verkehr frei gegeben wird, ist benutzbar. Das dauert wieder etwa 10-15 Minuten. Und das an zwei Stellen. Wenigstens kann man ausgiebig und in Ruhe diese schöne Berglandschaft mit der nur hier im Table-Mountain Park Resort vorkommenden Fynbos Vegetation bewundern. Eine sehr artenreiche, heidekrautähnliche Flora, mit vielen dekorativen Blütensträuchern. Hier wächst u.a. die wunderschöne Protea, Nationalblume Südafrikas, die man bei uns aus Blumengeschäften kennt und nur für ganz besondere Anlässe kauft.</p>
<p>Als wir endlich das Kap erreicht haben, ist aus den stetig heraufziehenden Wolken einigermaßen dichter Nebel geworden. Na bravo. Wozu sind wir jetzt eigentlich da? Aussicht gleich Null. Aber wir geben die gute Hoffnung nicht auf. Wir gehen mal ins Restaurant, in der Hoffnung auf baldiges Essen. Aber wie gesagt, schnell geht hier gar nix. Obwohl wir schon im glücklichen Besitz einer Speisekarte sind, machen alle Kellner einen großen Bogen um uns. Als es uns schließlich gelingt, einen auf uns aufmerksam zu machen (den kleinsten und schüchternsten von allen), schreibt dieser unsere Bestellung auf einen Block; meine Frage nach dem auf einer Tafel angekündigten, aber nicht weiter beschriebenen Fischgericht des Tages überfordert ihn scheinbar und er verschwindet auf Nimmerwiedersehen.</p>
<p>Geduld, wir sind in Afrika. Die Aussicht von der Restaurantterrasse ist… naja hoffnungsvoll. Dass der blöde Nebel wegzieht. Kalt ist es auch geworden. Mein Mann holt Jacken aus dem Auto, in der Zwischenzeit werden (nach letztlich erfolgreicher Bestellung bei einem anderen Kellner) die Vorspeisen serviert. Diese sind ein Augenschmaus. Das finden auch die glänzenden schwarzen Vögel mit den braunen Flügelspitzen, die hier 3x so groß und 3x so frech wie die Spatzen zahlreich herumhüpfen. Ich verteidige tapfer unsere beiden Gerichte, einem gelingt es aber doch, eine Manderinenspalte vom Teller meines Mannes zu ergattern.</p>
<p>Als wir aufbrechen, ist der Nebel nicht mehr ganz so dicht und wir wandern auf einem hölzernen Steg abwärts Richtung Kap. Von den Leuchttürmen oben am Cape Point ist gar nichts zu sehen; das scheint in früheren Zeiten auch leider so manchem vorbeifahrenden Schiff zum Verhängnis geworden zu sein.</p>
<p>Die Landschaft aber, soweit man sie sehen kann, ist atemberaubend. Die Wolkendecke lockert sich stetig. Buntes Gestein in allen erdenklichen Ocker-, Braun- und Rottönen – kommt zum Vorschein. Meine Lieblingsfarben, die ich auch immer gerne in meiner Malerei verwende.  Vielerlei Verwerfungen, wunderbare Muster und verschiedenste Pflanzen in allen erdenklichen Grüntönen sind zu sehen. Wir steigen etwa 250 Stufen zu einer malerischen Bucht hinab, wo der Wind tost und die Wellen eindrucksvoll gegen die hoch aufgeschichteten, farbigen Felsen branden. Hier fühlt man sich so richtig klein und unbedeutend inmitten einer gewaltigen, mächtigen Natur, die ihre eigenen Gesetze hat. Eine kleine tote Robbe liegt am Strand, in der Nähe kauert ein alter, schwacher Vogel, der nicht wegfliegt, auch wenn man ganz nah kommt. Auf ihn scheinen die Möwen schon nervös herumhüpfend zu warten.</p>
<p>Der Aufstieg ist mühevoll, aber wir sind um viele beeindruckende Bilder bereichert. Mittlerweile ist das Wetter wieder besser, eine schon tiefstehende Sonne taucht die Landschaft in warmes Licht. Auf der Rückfahrt probiere ich das Autofahren auf der linken Straßenseite aus. Ist doch ganz einfach! Theoretisch. Auch ich erwische versehentlich mal den Scheibenwischer statt dem Blinker und wir hüpfen zurück in den falschen Gang. Naja; wenigstens ist hier jetzt fast kein Verkehr mehr. Für die Heimfahrt nach Cape Town überlasse ich das Steuer wieder meinem Mann. Ich lehne mich entspannt zurück und erblicke in der Ferne zwei große Vogel-Strauße. Die gibt es wirklich hier! Wow. Letztendlich sind unserere guten Hoffnungen doch noch erfüllt worden: es war ein wunderschöner, unvergesslicher Ausflug.</p>
<p>Renate Reich, 18. November 2018</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
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		<title>Südafrikanisch Reisen 2 &#124; Der Tafelberg</title>
		<link>https://renatereich.at/suedafrikanisch-reisen-teil-2-der-tafelberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[renatereich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Nov 2018 21:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseblog]]></category>
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					<description><![CDATA[Aankomst. Kapstadt – Das Zweite, das hier auffällt, nachdem man Quartier bezogen und ein wenig herumspaziert ist, sind die Zäune. Zacken, Stacheln, Spieße oder elektrische Drähte, manchmal eindrucksvoll surrend. „Armed Response“ Schilder findet man fast überall. Wir wohnen in Gardens, einem besseren Viertel mit Einfamilienhäusern, in einer hügeligen, sehr grünen Gegend. Sehr schön, eigentlich. Der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aankomst. Kapstadt – Das Zweite, das hier auffällt, nachdem man Quartier bezogen und ein wenig herumspaziert ist, sind die Zäune. Zacken, Stacheln, Spieße oder elektrische Drähte, manchmal eindrucksvoll surrend. „Armed Response“ Schilder findet man fast überall. Wir wohnen in Gardens, einem besseren Viertel mit Einfamilienhäusern, in einer hügeligen, sehr grünen Gegend. Sehr schön, eigentlich. Der Ausblick von unserer Terrasse auf das nächtliche Lichermeer ist beeindruckend. Kapstadt ist riesig. Das war schon beim Anflug eindrucksvoll zu sehen; sehr viele Menschen leben hier.</p>
<p>Manche leben, manche leben gut, manche sehr gut, manche existieren nur. Sehr viele. Und kämpfen täglich um’s Überleben. Wieviele Einwohner die Stadt genau hat, weiß man gar nicht, denn die Zahl der Menschen in den Town Ships, Erbe aus der Zeit der Apartheid, ist unbekannt. Die anderen schützen, was ihnen gehört. Und das müssen sie auch. Lustig ist das für beide Seiten nicht. Aber für die eine Seite ist das Leben vermutlich doch ein bißchen leichter als für die andere.</p>
<p>Auf den Straßen sieht man viele Bettler und komische Gestalten, sehr heruntergekommen. Einige von ihnen tragen gelbe, rosa oder orangene Warnwesten und haben ihr kleines Revier, sie helfen den Autos beim Ein- oder Ausparken, zeigen wo freie Plätze sind, und wann die Straße frei ist zum Losfahren. Dafür gibt man ihnen ein kleines Trinkgeld. Damit haben sie eine sinnvolle Aufgabe. Ist für unsereins manchmal ein bißerl nervig, aber ich finde es dennoch gut und gebe immer ein paar Münzen. Das tut mir nicht weh und bringt ihnen was. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele – weniger komische – Gestalten mit gelber oder grüner Sicherheitsweste, die mit Schlagstöcken ausgerüstet und besser angezogen sind. Offiziell angestellte Security Personal für die Straßen der Stadt. Seit der WM 2010 hat sich die Sicherheitslage in Cape Town aufgund ihrer Präsenz massiv verbessert. Die Innenstadt ist jetzt sicher, es spielt sich touristenmäßig auch sehr viel ab, hat die Stadt ja viel zu bieten. In der Nacht soll man allerdings nicht alleine unterwegs sein, und auch nur in bestimmten Vierteln, auf gut beleuchteten Straßen. Anfangs bewegen wir uns extrem vorsichtig, aber mit der Zeit bekommen wir eine bessere Orientierung und ein ganz gutes Gefühl, wohin man gehen kann und wann oder wohin besser nicht.</p>
<p>Ein Ausflug auf den Tafelberg ist unsere erste größere Unternehmung und bei strahlendem Wetter ein absolutes Highlight. Zuerst mit dem Bus, dann weiter mit der Gondelbahn erreicht man in atemberaubend kuzer Zeit schwindelige Höhen. Wir haben Glück, wir sind unter den ersten, die die kreisrunde Gondel (aus der Schweiz importiert, habe ich gelesen) betreten können und suchen uns den schönsten Platz aus. Oder versuchen es zumindest – mein Mann und ich sind uns nicht einig, welcher das ist. Er will nach oben schauen, ich nach unten. Da die Gondel sich schnell füllt, und eine Entscheidung ansteht, gibt er nach. Nett von ihm. Doch sobald sich das Ding in Bewegung setzt, beginnt sich auch das Innere zu drehen: Wir stehen auf einer um 360 Grad rotierenden Plattform. Eine hervorragende Lösung unseres Problems. Wir können nun alles aus allen Perspektiven sehen. Diese Modell sollte man auf das wirkliche Leben übertragen können. Ein vorbildlicher Lösungsansatz, finde ich.</p>
<p>Die Aussicht ist beeindruckend. Der Tafelberg gehört zu den ältesten Gesteinsformationen dieser Erde und so wirkt er auch. Das Gestein ist grau, vielfach verworfen und es erinnert an Elefantenhaut. Überhaupt steht der Tafelberg fest und stur da wie ein uralter Elefant. Mit einem langem, geraden Rücken, auf dem wir gemütlich herumspazieren.</p>
<p>Die V&amp;A- Victoria und Afred Waterfont, benannt nach Königin Victoria und Sohn, Namen der beiden Wasserbecken, ist unser nächstes Ziel. Ein gelungenes Beispiel einer Revitalisierung von einem heruntergekommenen Hafenviertel. Für unseren Geschmack vielleicht etwas zu kommerziell, aber dennoch – a place to be. Very nice. Wunderbar zum Flanieren, Schauen, Shoppen und Genießen. Pulsierendes Leben, viele Touristen und Einheimische, Musiker, die singen, tanzen oder virtuos Balaphon spielen.</p>
<p>Hier verkosten wir erstmals ein Glas Wein und befinden dieses – etwas untertrieben formuliert – für absolut brauchbar. Sauvignon Blanc vom Feinsten, zu einem sehr erschwinglichen Preis. Dazu muß natürlich ein Fischgericht verzehrt werden. Wir schwelgen in Genuß und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Ein etwas kühler Wind vom Meer mindert diesen nur geringfügig. Zu Hause ist es November und in Wien kann man sich jetzt wahrscheinlich maximal den Nebel ins Gesicht schweben lassen. Wenn man das unbedingt wollte.</p>
<p>Auf dem Weg nach Hause decken wir uns mit Lebensmitteln für die ersten paar Tage ein. Ein großer Supermarkt ist schnell gefunden – übrigens ein Spar – und es gibt eine große Auswahl an allem, die Fleischabteilung ist allerdings wesentlich kleiner als bei uns zu Hause. Stört uns nicht. Für diesen Abend auf unserer Terasse wollen wir uns etwas Nettes zum Trinken mitnehmen, eine Flasche Wein oder ein paar Bier, werden aber erst nach Fragen fündig. Bier gibt es hier gar keines und der Wein ist in einem Regal, das mit schwarzen Stoffbahnen verhängt ist. Komisch. Naja, vielleicht soll der Wein versteckt sein und nicht so offensichtlich „verführen“. Wir heben die Verhängung ein wenig an und suchen uns mit sorgfältiger Vorfreude drei hübsche Flaschen mit interessantem Etikett und ebensolchem Inhalt aus, Sauvignon natürlich, Sparkling Brut und Rose. Bei der Kasse zieht die Dame die erste Flasche routinemäßig über den Laser, um sie sofort danach wieder zu stornieren; „Sorry – no alcohol after 6 o’clock.“ Kein Erbarmen. Es ist Sonntag Abend, etwa 19:00. Eine herbe Enttäuschung. Wieder kein chilliger Terassenabend mit Wein.</p>
<p>Draußen fragen wir eine der zahlreichen Securitys, ob es denn irgendwo noch eine Quelle für uns abendliche Genußtrinker gibt – und man sagt uns, „yes, there is a liquor store over there – turn right after the second robot“. Robot ? Muß wohl „Ampel“ heißen, sonst mach es keinen Sinn. Überhaupt, die schwarzen Südafrikaner sind sehr schwer zu verstehen, Britisches Englisch, meist mit rollendem R und oft erheblichem Kauderwelsch-Anteil. Wie auch immer, wir finden ein passendes Geschäft, irgendwo auf unserem Heimweg.</p>
<p>Jedoch der zweite Abend auf unserer Terrasse verläuft sehr kurz, da wir unendlich müde sind, von all dem Erlebten. Und glücklich, mit dem was wir haben. Jetzt und hier und vor allem zu Hause, im fernen Österreich. Dass wir in einem Land leben, in dem das tägliche Überleben nicht in Frage steht; auch wenn uns derzeit viel am Klima – meteorologisch und politisch – gar nicht gefällt.</p>
<p>Renate Reich, 16.11. 2018</p>
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